Feine Tomaten für ein köstliches Tomatenjahr

tomatenvontrudi-2.jpgVon Ute Studer

Innerhalb von nur einem Tag waren Trudis Tomatensamen im vergangenen Jahr ausverkauft. Einerseits freute uns dieser Erfolg. Andererseits taten uns alle Leserinnen und Leser leid, die leer ausgegangen sind, denn immerhin hatten Trudi Borsos und ich an langen Abenden je 100 Samenpäckli von 13 Sorten, also 1300 Päckli, gefaltet, beschriftet und abgezählt.

Die Samengewinnung ist nicht immer einfach. Einige Sorten haben viele Samen, sodass zehn Früchte reichen, um 500 Samen zu erhalten. Andere sind weniger verschwenderisch mit ihrem Saatgut. In den Früchten der Sorte Téton de Venus jaune’ zum Beispiel findet man nur drei bis vier Samen pro Frucht. Man muss also mindestens 160 Früchte öffnen, um 500 Samen zu gewinnen. Dafür sind mehr als zehn Tomatenpflanzen nötig.

Dennoch haben wir uns auch letzte Saison bemüht, Saatgut von interessanten Sorten zu ernten. Wir bieten wiederum dreizehn Sorten an, haben aber von vielen Sorten mehr Samen als letztes Jahr. Zwölf davon sind richtige Tomaten Solanum lycopersicum. Die Jal-Tomate Solanum procumbens hingegen ist nur eine Tomatenverwandte. Wichtig zu wissen: Ihre Früchte fallen bei Vollreife ab und entfalten erst dann ihr ganzes Aroma.

Wir haben auf unser Angebot 2016 zahlreiche begeisterte Feedbacks erhalten , obwohl es nicht gerade ein gutes Tomatenjahr war. Aber es gab auch einige wenige Leserinnen, die Schwierigkeiten bei der Anzucht hatten. Daher möchten wir noch einmal eine genaue Anleitung zur Tomatenpflege geben. Trudi Borsos zieht in ihrem Garten in Kroatien jedes Jahr etwa 400 verschiedene Tomatensorten und gibt ihre Erfahrungen gerne weiter. Ebenso möchten wir die vielfältigen Möglichkeiten des Stützens der Tomatenpflanzen aufzeigen, damit unsere Leserinnen und Leser auch dieses Jahr Freude an ihren Tomaten haben.

Eine gute Kinderstube ist wichtig

Meist juckt es Tomatenfreaks schon ab Februar, Tomaten zu säen. So auch Trudi Borsos. Sie beginnt jeweils ab Mitte Februar. Allerdings nur mit Sorten, von denen sie weiss, dass sie eine lange Keimdauer haben, und mit Samen, die schon älter als zehn Jahre sind. Die normale Keimfähigkeit von Tomatensamen liegt bei 5 bis 8 Jahren. Diese erste Aussaat gleicht einer Keimprobe. Die anderen Sorten werden ab Mitte März gesät. Buschtomaten, die nur eine kurze, frühe Erntezeit haben, werden gestaffelt bis Anfang Mai gesät. Man kann die Samen vorher einige Stunden in Wasser aufquellen lassen. Ausgesät wird in ein Gemisch aus Maulwurfserde von der Wiese und gekaufter Bio-Blumenerde im Verhältnis 1 zu 3. Dieses Gemisch wird schon im Herbst hergestellt und im Keller gelagert. Die Erde wird rund 10 cm hoch in recycelte Gefässe gefüllt wie Obstbehälter aus Kunststoff, Blumenkistchen oder Joghurtbecher. Wichtig ist, dass ein Abzugsloch vorhanden ist. Denn eines mögen Tomaten gar nicht: mit den Füssen im Wasser stehen. Die Saatgefässe stellt man in Untersätze, die das herauslaufende Wasser auffangen.

Die Erde wird zunächst mit einem Brettchen angedrückt und dann angegossen. Dazu hat sich Trudi eine kleine PET-Flasche gebastelt, in die sie mit einer über einer Kerze erhitzten Stopfnadel Löcher gebrannt hat. Damit kann sie die Erde fein überbrausen. Die Samen werden mit etwas Abstand auf die Erde gelegt und locker mit Erde bedeckt. Danach wird nicht mehr gegossen und auch nicht mit Folie abgedeckt. Bei Temperaturen von 18 bis 20 °C stehen die Saatkisten auf einer hellen Fensterbank, wo sie nach wenigen Tagen keimen. Sobald die ersten echten Blätter zwischen den Keimblättern erscheinen, wird noch einmal eine Schicht von 1 cm Gartenerde aufgefüllt. Man giesst nur bei Bedarf und sparsam. Um die Feuchtigkeit zu prüfen, empfiehlt Trudi Borsos den Fingertest: Erst wenn der obere Fingerteil sich trocken anfühlt, wird gut gegossen. Nachdem sich zwei echte Blattpaare ausgebildet haben, werden die Pflanzen in 8-cm-Töpfli mit einem Gemisch aus Erde, Kompost und Sand pikiert. Unten in die Töpfli legt man zwei bis drei Lagen Zeitungspapier. Diese speichern die Feuchtigkeit und kommen auch beim Pflanzen in den Boden, damit sie die Wurzeln zusammenhalten. Bis zu den Eisheiligen, an frostfreien Tagen, zügelt man die Jungpflanzen ins Freie, um sie abzuhärten. (Vorsicht vor Sonnenbrandgefahr!) Die Nacht verbringen sie wieder drinnen. 

Drohen keine Frosttage mehr, wird schräg gepflanzt, damit möglichst viel vom Haupttrieb mit in den Boden kommt, damit die Pflanze noch mehr Wurzeln bildet. Vor dem Setzen wird das Pflanzloch ausgiebig mit verdünnter Brennnesseljauche getränkt. So bilden die Tomaten schnell Wurzeln nach unten, um an das versickerte Wasser zu kommen. Tipp: Tomaten wachsen gerne in unreifem Kompost. Deshalb bedeckt man die Tomatenbeete damit und mulcht sie anschliessend mit getrocknetem Grünschnitt. Zum Abschrecken der Gemüseeule (Insekt), deren Raupen Löcher in die Tomaten fressen, setzt Trudi Borsos Tagetes, Knoblauch und selbst gesäte Dahlien zwischen die Tomaten. Auch einen speziellen Dünger stellt die Tomatenexpertin selber her. Sie sammelt dafür einige Tage Schalen von Biobananen, Kaffeesatz und Eierschalen, die sie fein mixt. Dieser Brei wird mit Wasser verdünnt ins Giesswasser gegeben. Gespritzt werden die Tomaten mit Schachtelhalmtee, Knoblauch-Wasser oder Magermilch bei Blütenendfäule und schlechten Wetterprognosen.

Den Tomaten Halt geben

Die Tomatenexpertin zieht ihre Tomaten je nach deren Bedürfnissen. Ein Teil der Pflanzen wird an Schnüren aufgeleitet oder an Spiralstäben, plastifizierten Metallstangen, am Spalier aus Stecken oder Baustahlmatten, Bambusstecken oder Holzstecken mit Bast oder Draht angebunden. Sie entfernt jeweils nur die ersten Geiztriebe und zieht die Tomaten danach bis fünftriebig, wobei jeder Trieb extra aufgebunden wird. 

Schnurkultur 

Die Schnüre werden oben an quer gespannten Drähten durch ein selbst aus Draht gebogenes Gebilde gehalten, auf dem man die Schnur aufwickeln kann. Geeignet ist eine starke Hanf- oder Sisalschnur. Das untere Schnurende wird unterhalb einer Blattachsel locker um die Pflanze geknotet. Dann wird die Tomate im Verlauf des Wachstums um die Schnur gedreht; sie hält sich selbst. Wachsen die Pflanzen höher als die Schnur lang ist, werden sie schräg geleitet; von der Drahtspule kann man mehr Schnur abwickeln. Sobald die unteren Tomaten geerntet sind, legt man den Stängel unten kreisförmig auf den Boden  und bedeckt ihn mit Erde, damit er neue Wurzeln ausbildet. Nach der Ernte kann man die Schnüre abschneiden und kompostieren.

Stabkultur

Die Stäbe werden vor dem Pflanzen in den Boden gesteckt und die Tomaten laufend daran locker angebunden. Bei mehrtriebiger Kultur braucht jeder Trieb einen Stab. Holzstäbe sollten aus langlebigen Hölzern sein und mindestens 3 cm Durchmesser haben. Bambusstäbe sind leicht zu reinigen und halten einige Jahre.

Spiralstäbe

Auch bei den Spiralstäben braucht jeder Trieb einen Stab. Die Triebe der Tomatenpflanze werden im Verlauf des Wachstums in die Spirale eingeführt. Es gibt die Stäbe in 1,2 und 1,8 m Länge. Man sollte auf jeden Fall die längeren nehmen, damit sie genügend Halt im Boden finden. Die Stäbe haben oben ein Loch und können so an quer gelegten Latten befestigt werden.

Baustahlmatten als Spalier

Die Baustahlmatten müssen mit dicken Stecken im Boden befestigt werden. Die Tomatentriebe werden am Gitter laufend befestigt. Bei mehrtriebiger Kultur sollte der Abstand zwischen den Pflanzen auf 1 m vergrössert werden.

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Leserangebot: Saatgut von 13 besonderen Tomatensorten

Das Saatgut kann via Talon in der «Bioterra»-Ausgabe Januar/Februar 2017 bestellt werden. Bitte legen Sie den Bestellwert in Briefmarken bei, inkl. frankiertes Rückantwortcouvert.

21.02.2017: Es ist nur noch die Sorte "Isoner" erhältlich