Win-win im Gemüsebeet

Die Kombination von Gemüse und Blumen ist typisch für Bauern- und Klostergärten. Die bewährten Mischkulturen sind optisch und lukullisch eine Bereicherung und stärken das Gemüse.

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Von Ute Studer

Leuchtende Tagetesblüten zwischen Tomatenpflanzen, duftende Lavendelsäume ums Gemüsebeet, Rankgerüste mit Kapuzinerkresse neben Kartoffeln, Borretsch als Nachbarn von Kohlköpfen und Ringelblumen zwischen den Rüebli: Was sich seit langer Zeit in den Bauerngärten bewährt hat, können wir auch in unseren Gärten umsetzen. Blumen lockern mit tiefen Wurzeln den Gartenboden, halten mit Duftwolken Schädlinge fern, können Bodennematoden abtöten und locken mit ihren Blüten viele Insekten an, die auf der Suche nach Nektar und Pollen auch die Gemüseblüten bestäuben. Blumen im Gemüsegarten brauchen zwar etwas Platz, bringen aber Vielfalt, verhindern einseitige Bodennutzung und peppen Gemüsebeete mit bunten Farbtupfern auf. 

Strahlende Ringelblume

Die Ringelblume Calendula officinalis ist in vielfacher Hinsicht der heimliche Gartenstar. Sie bringt lang anhaltenden, leuchtenden Blütenflor und ist anspruchslos bei Aussaat und Pflege. Die einfachen Blüten sind Nektarquelle für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und ihre jungen Blätter und die Blütenblätter sind essbar. Sie ist eine Heilpflanze für schlecht heilende Wunden und vertreibt Schädlinge. Ein Gemüsebeet mit einer kleinen Hecke aus Ringelblumen wirkt gegen Schnecken – und es sieht hübsch aus. Als Gründünger lockern die Blumen mit ihren Pfahlwurzeln den Boden, machen ihn frei von Nematoden und Drahtwürmern, binden Restnährstoffe und bewahren den Boden vor Erosion. Die Samen werden ab April ausgesät. Ringelblumen wachsen etwa 30 bis 50 cm hoch und blühen ab Juni bis zum Frost.

Himmelblaue Borretschblüten

Der Borretsch Borago officinalis gehört zu den einjährigen Gewürzkräutern. Da er verschiedene Alkaloide enthält, sollte man die Blätter zum Würzen sparsam verwenden. Problemlos ist hingegen die Verwendung der himmelblauen, nervenstärkenden Blüten. Für alle Kürbisgewächse und Gurken ist der Borretsch eine gute Begleitpflanze am Beetrand, denn seine Blüten locken bestäubende Insekten an. Neben Kohl platziert, verwirrt sein Duft den Kohlweissling und hindert ihn an der Eiablage. In Nachbarschaft von Tomaten hält er die Tomatenschwärmer und die Gemüseeule von der Eiablage ab. Seine Samen locken im Herbst Distelfinken in den Garten. Ausgesät wird er ab Mai. Die Pflanzen benötigen viel Platz und können bis 70 cm hoch werden.

Lila Lavendelwolken

Ein Meer von Lavendelblüten Lavandula angustifolia ist ein beeindruckender Höhepunkt im Sommergarten. Die unterschiedlichen Lilaschattierungen und der starke Duft ziehen viele bestäubende Insekten an. Gleichzeitig verwirrt
der Duft die Rüeblifliege und die Lauchmotte und hindert sie an der Eiablage. Man kann die mehrjährige Staude in mageren, durchlässigen Boden an den Rand des Gemüse-beetes setzen. Kompakte Sorten wählen.

Leuchtend rote Studentenblumen

Die Tagetessorte Tagetes patula Disco Red’ mit duftenden, ziegelroten Blüten ist ein schöner Massenblüher. Mit einer Wuchshöhe von 20 cm ist sie ein idealer Partner im Gemüsebeet. Ihre roten, ab Juni erscheinenden Blüten ziehen bestäubende Insekten an, und ihr Duft hält Schadinsekten fern. Tagetes, gleich welcher Sorte, setzt man ins Erdbeerbeet oder neben Rüebli, Kartoffeln und Tomaten, da sie bodenbürtige Nematoden abtöten. Sie scheiden an ihren Wurzeln Duftstoffe aus, die Fadenwürmer anlocken. Wenn diese in die Wurzeln eindringen, erhalten sie eine tödliche Giftladung.

Farbenfrohe Kapuzinerkresse

Die gelben, orangefarbigen oder roten Blüten der Kapuzinerkresse Tropaeo-lum majus bringen Farbtupfer ins Gemüsebeet. Die rankenden Sorten können an Obelisken im Beet hochgezogen werden oder an Zäunen. Die nicht rankenden, kleineren Sorten Tropaeolum majus nanum passen gut zwischen die Kulturen. Die Blüten der Kapuzinerkresse ziehen Bienen an. Die Pflanzen wirken abwehrend gegen Kartoffelkäfer und Blattläuse. Zudem sind Blätter und Blüten essbar und wirken als natürliches Antibiotikum. Da die Pflanze mit ihrem Senfölduft Kohlweisslinge anlockt, die ihre Eier auf der Pflanze ablegen, sollte sie in einiger Entfernung zum Kohl stehen. Drohen die Pflanzen das Gemüse zu überwuchern, kann man sie zurückschneiden. 

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Foto: Gap-Photos