Aktueller Standpunkt

In loser Folge nimmt Bioterra Stellung zu aktuelle Themen, die in Bezug zu Garten und Nachhaltigkeit stehen.

Eine neue Initiative befasst sich mit Pestiziden und nimmt dazu Verfassungsartikel ins Visier. Sie verlangt einen radikalen Verzicht auf synthetische Pestizide und gleichzeitig eine wesentlich stärkere Förderung der Bio-Landwirtschaft.
Bioterra nimmt jetzt Stellung zur Initiative "Für eine Schweiz ohne  synthetische Pestizide". 

 

INITIATIVE «FÜR EINE SCHWEIZ OHNE SYNTHETISCHE PESTIZIDE»

Die politisch unabhängige Gruppierung Future3 hat die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» lanciert, die auf ein Verbot von synthetischen Pestiziden abzielt. Sie will dafür den Umweltschutzartikel 74 in der Bundesverfassung dahingehend ändern, dass der Einsatz in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege verboten wird. Auch die Einfuhr von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, soll verboten werden. Die Umsetzungsfrist beträgt bei Annahme der Initiative zehn Jahre.
Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bund den «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» umzusetzen beginnt.

Bioterra fordert, dass in absehbarer Zeit die Menge von synthetischen Pestiziden drastisch reduziert wird. Nur so können markante Umweltentlastungen in Landwirtschaft, öffentlichen Räumen, bei Dachbegrünungen, an Gebäudewänden etc. erreicht werden. Falls mit dem Aktionsplan des Bundes nicht wesentliche Fortschritte erzielt werden, stellt die Initiative eine radikale Möglichkeit zur Zielerreichung dar.
 

INITIATIVTEXT «FÜR EINE SCHWEIZ OHNE SYNTHETISCHE PESTIZIDE»

(Bestehender) Art. 74 Umweltschutz
1 Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen.
2 Er sorgt dafür, dass solche Einwirkungen vermieden werden. Die Kosten der Vermeidung und Beseitigung tragen die Verursacher.
(neu:) 2bis Der Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege ist verboten. Die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.
3 Für den Vollzug der Vorschriften sind die Kantone zuständig, soweit das Gesetz ihn nicht dem Bund vorbehält.

(neue:) Art. 197 Übergangsbestimmungen
1 Die Ausführungsgesetzgebung zu Artikel 74 Absatz 2bis tritt spätestens zehn Jahre nach dessen Annahme durch Volk und Stände in Kraft.
2 Der Bundesrat erlässt vorübergehend auf dem Verordnungsweg die notwendigen Ausführungsbestimmungen und achtet dabei auf eine schrittweise Umsetzung von Artikel 74 Absatz 2bis.
3 Solange Artikel 74 Absatz 2bis nicht vollständig umgesetzt ist, darf der Bundesrat vorübergehend unverarbeitete Lebensmittel, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, nur dann bewilligen, wenn sie zur Abwehr einer gravierenden Bedrohung von Mensch oder Natur unverzichtbar sind, namentlich einer schweren Mangellage oder einer ausserordentlichen Bedrohung von Landwirtschaft, Natur oder Mensch.

PRO UND KONTRA

Die Lancierung der Initiative macht Druck, den Aktionsplan umzusetzen und griffige Massnahmen in der Agrarpolitik 2022+ (AP 22+) zu ergreifen, wäre doch ein totales Verbot von synthetischen Pestiziden ein harter Eingriff, der viele Akteure (insbesondere Landwirte) überfordern dürfte.
Ein Mangel der Initiative ist, dass sie die Anwendung chemisch-synthetischer Hilfsstoffe in Gärten, auf Flachdächern, an Hauswänden oder in öffentlichen Räumen nicht klar miteinbezieht.
Die Einfuhr von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, soll verboten werden. Bioterra befürchtet, dass diese Regelung aus handelspolitischen und administrativen Gründen kaum umsetzbar sein.

POSITION VON BIOTERRA

Die Bio- und Naturgärten von Bioterra erfüllen die Anliegen der Initiative bereits. Seit 70 Jahre beweisen die heute über 15'000 Bioterra-Mitglieder: Es braucht keine chemisch-synthetischen Pestizide im Garten. Mit biologisch abbaubaren, natürlichen Düngern und Pflanzenschutzmitteln werden die Pflanzen gestärkt. Biopflanzen sind robust und verfügen über eine natürliche Widerstandsfähigkeit. Zudem tragen Bio- und Naturgärten zu einer breiten Biodiversität bei und bieten Tieren Futterquellen und Lebensraum.

Die zertifizierten Bioterra-Fachbetriebe[1] bieten Gewähr, dass all ihre Gartenbau-Tätigkeiten und die Pflanzenproduktion nach biologischen Grundsätzen erfolgen. Die Richtlinien von Bio Suisse/Bioterra garantieren eine umweltverträgliche Arbeitsweise und verpflichten die Betriebe zu ökologischen Ausgleichsflächen.

Bioterra empfiehlt allen Gartenbesitzerinnen und -besitzern, Gärtnereien und Gartenbaubetrieben biologisch zu wirtschaften (www.bioterra.ch).

Den Akteuren in der Landwirtschaft legt Bioterra nahe, biologisch zu produzieren bzw. biologische Hilfsstoffe einzusetzen. Dadurch werden Produktions- und Pflegesysteme geschickt konzipiert und geführt; daraus entstehen vermehrt Systeme, die sich im Gleichgewicht befinden oder sich selber ausbalancieren.

Auch ruft Bioterra Konsumentinnen und Konsumenten auf, Bioprodukte aus Landwirtschaft und Garten zu kaufen. Dank der Nachfrage nach Bioprodukten – seien dies Nahrungsmittel, Pflanzen oder Saatgut – werden vermehrt Landwirte, Gartenbaubetriebe und Gärtnereien auf die Bioschiene umschwenken.

Bioterra fordert, dass die Agrarpolitik die Umweltleistungen der Biobetriebe finanziell besser entschädigt. Denn je mehr Biobetriebe ein Auskommen finden, desto weniger synthetische Pestizide werden verwendet.  Im Rahmen der Agrarpolitik 2022+ (AP 22+) sollten zudem Abgaben auf chemische-synthetischen Hilfsstoffen eingeführt werden. Denn eine Verteuerung würde dazu führen, dass weniger dieser Stoffe eingesetzt und umweltfreundlichere Produktionsweisen entwickelt und verbreitet werden.

Gan/gud/sab/AB/BH/ 170703

 


[1] Finden Sie Bioterra-Fachbetriebe in Ihrer Nähe: http://www.bioterra.ch/fachbetriebe/naturgarten