Garten ist Wandel

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Ein lebendiger Garten verändert sich mit den Bedürfnissen seiner Nutzerinnen und Nutzer. Gartenberater Urs Streuli gibt Tipps, was beim Umgestalten zu beachten ist.

Von Urs Streuli
Leben ist Wandel. Das lernen Gärtner und Gärtnerinnen allein durch die Rhythmen der Natur. Doch auch Veränderungen in deren Leben können sich im Garten spiegeln. Der Garten, der viele Jahre mit den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen harmoniert hat, wirkt unbefriedigend oder wird sogar zur Belastung. Zum Beispiel, wenn dieser einen neuen Besitzer mit kleinen Kindern bekommt, die den Garten entdecken wollen. Oder umgekehrt mit solchen Sprösslingen, die dem «Sändeli- und Rutschi»-Alter entwachsen sind.

Das Nachlassen der körperlichen Kräfte oder die Pensionierung können ebenfalls Impulse dafür sein, sich mit einer Neugestaltung zu befassen. Aber selbst ganz ohne Veränderungen aufseiten der Hausgärtnerinnen und Hausgärtner entwickelt sich das eigene grüne Reich oft schleichend in eine ursprünglich gar nicht gewollte, andere Richtung. Dann, wenn die Fichte, die laut Anbieter «maximal 5 m» hoch werden sollte, eine Stammeslänge von stolzen 25 Metern erreicht. Oder der Naturweiher völlig verlandet und der Rasen vermoost.

Ein weiterer Grund, über die Gartenbücher zu gehen, kann der Wunsch nach «mehr Natur» sein. In all diesen Fällen lohnt sich eine umsichtige Bestandsaufnahme und im Anschluss professionell unterstütztes Planen und Handeln. Wer dabei gemächlich, Schritt für Schritt vorgeht, stört den Garten als Organismus am wenigsten. Hilfreich ist auch, sich von anderen Gärten inspirieren zu lassen. Um eine solche Innensicht zu erleben, kann man da und dort kurzentschlossen auf den Klingelknopf drücken und um Einblick in den Garten bitten. Das braucht zugegebenermassen etwas Mut, aber vielleicht entstehen so gar neue Freundschaften mit Gleichgesinnten.

Verändern – aber wie?

Am Anfang ist das Gefühl. Da sitzt man nun inmitten des Gartens, im schönsten Vorsommer. Der Blick schweift über Rasen, Sträucher, Bäume, das Mäuerchen, den Zaun. Was davon macht Freude, was drückt eher aufs Gemüt? Fragen kommen auf: Wie intensiv werden die verschiedenen Ecken im Moment genutzt? Vielleicht könnte ja dieses und jenes entfernt und durch etwas Passenderes ersetzt werden.

Und schon beginnen die Träume von Veränderungen, die eher langfristig angelegt sind. Diese kosten, und deshalb ist die Frage erlaubt, wie lange das Neue bei den Erwachsenen oder auch bei den Kindern Gültigkeit haben wird. Das hat dann Einfluss auf die Reihenfolge der Umsetzungen. Was nicht lange dauert, wird sofort und gut gemacht.

 

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