Von Igeln und Eichhörnchen

 

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Was haben Igel und Eichhörnchen gemein? Auf den ersten Blick nicht viel. Beide sind jedoch im Winter auf unser Wohlwollen angewiesen. Igel freuen sich über einen Unterschlupf im Garten, Eichhörnchen über Nüsse oder Kerne in eisig-frostigen Zeiten.

Von Sandra Weber

Kennen Sie das Heckenschwein? Es ist oft nach Einbruch der Dämmerung unter Büschen zu sehen, oder besser gesagt, zu hören. Eifrig schnüffelnd und schmatzend arbeitet es sich durchs Unterholz und macht Larven, Würmern, Käfern und Schnecken den Garaus. Die Rede ist natürlich vom Igel, im Englischen «hedgehog» genannt. Der Name verweist auf seinen bevorzugten Lebensraum. Igel stammen nicht aus dem Wald, sondern bewohnten, als Wälder noch gestuft in die Landschaft übergingen, deren lichte Bereiche am Rand, die sich aus Kleinbäumen, Wildfruchtsträuchern und Stauden zusammensetzten und damit eine Fülle an Insekten anzogen. Seit diese Heckenlebensräume, auch an Feld- und Bachrändern, grösstenteils verschwunden sind, mussten Igel notgedrungen in unsere Gärten ziehen.

Mit etwas Glück finden sie dort Kleinstrukturen vor, die ihre Vorfahren noch in der Landschaft antrafen: dichte Wildobsthecken, Trockensteinmauern, Wildwiesen, Komposthaufen, Laub- und Totholzhaufen und Weiher mit flachem Einstieg, die das Trinken ermöglichen. Kurz: wilde, unaufgeräumte Gärten, die Unterschlupf und Nahrung bieten. Rollt sich der stachlige Geselle zum Schlafen ein, taucht ein paar Stockwerke höher das Eichhörnchen auf.

Anders als der Igel ist es tagaktiv und macht keinen Winterschlaf, sondern zehrt in der kalten Jahreszeit von den Vorräten, die es in Astgabeln versteckt oder im Boden vergraben hat. Mittlerweile ist es gar nicht mehr so selten, dass man Vertreter der europäischen Eichhörnchenpopulation, deren Farbe übrigens von rot über braun bis schwarz variieren kann, in Parks und Gärten antrifft. Als Allesfresser sind sie bezüglich Nahrung nicht wählerisch. Nebst Fichtensamen, Bucheckern und Haselnüssen stehen auch Beeren, Wildobst, Vogeleier und wirbellose Tiere wie Würmer auf ihrem Speiseplan. Nur Eicheln mögen sie nicht, trotz ihres Namens. In Menschennähe führen sie ein gefährliches Leben. Zwar müssen sie weniger ihre natürlichen Feinde wie Uhu, Baummarder und Habicht fürchten, dafür drohen Hunde, Katzen und Autos. Auch kann es vorkommen, dass Tiere in Regentonnen oder Swimmingpools ertrinken. Darum sollten diese abgedeckt oder mit Ausstiegshilfen versehen werden.

In strengen Wintern kann man die Hörnchen mit vor Nässe, Kot und Katzen geschütztem Futter unterstützen – geeignet sind Baum- und Haselnüsse (keine Erdnüsse), Sonnenblumen- und Kürbiskerne. Eichhörnchen halten sich am liebsten auf hohen Bäumen auf. Zudem bieten eichhörnchenfreundliche Gärten nebst einem natürlichen Nahrungsangebot in Form von Wildobststräuchern oder Nussbäumen auch Versteckmöglichkeiten und die Gelegenheit zur Fortbewegung ohne Bodenkontakt. Offene Flächen werden aus Angst vor Raubvögeln gemieden. Übrigens: Falls Sie sich wieder einmal über das in unseren Ohren unschön klingende Gekrächze von Krähen und Elstern ärgern, denken Sie daran, dass deren alte Nester nicht selten von Eichhörnchen übernommen und zu Kinderstuben umfunktioniert werden.

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Winterschlaf

Bald begeben sich Igel wieder in den Winterschlaf, der von November bis in den April dauern kann. Dafür ein passendes Plätzchen zu finden, ist in aufgeräumten Gärten schwierig. Dabei würde ein grosser Ast- und Laubhaufen in einer ruhigen Ecke schon reichen. Man kann dem Igel aber auch ein selbst gebautes, vor Nässe geschütztes Holzhaus zur Verfügung stellen. Tipps und Anleitungen findet man unter www.igelzentrum.ch im Bereich «für Fachleute und Interessierte».

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Die Angst vor dem Grauhörnchen

In England haben zwischen 1870 und 1930 ausgesetzte amerikanische Grauhörnchen die roten, einheimischen Eichhörnchen fast vollständig verdrängt. Sie sind kräftiger, erfolgreicher in der Jungenaufzucht und nutzen ein breiteres Futterangebot. Zudem können sie Überträger des für die Eichhörnchen tödlichen Parapox-Virus sein. Auch in Norditalien leben eingeführte Grauhörnchen. Es wird befürchtet, dass sie in die Schweiz einwandern könnten. Allerdings ist unklar, wie gross die Gefahr wirklich ist, da sich die Situation nicht mit der in England vergleichen lässt. In Italien leben die Grauhörnchen vor allem in Parks und Gärten, wo sie gefüttert werden. Zudem sind sie nicht vom Virus befallen. In England sind viele Wälder künstlich mit nicht einheimischen Bäumen aufgeforstet worden.

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Drei Fragen an: Bernhard Bader Geschäftsleiter Verein Pro-Igel

Was sind die häufigsten Fehler, die beim Umgang mit Igeln gemacht werden?
Dass man die Tiere an einem vermeintlich sicheren Ort aussetzt. Igel sind reviertreu und in fremder Umgebung verloren. Zudem sollte man sie nicht regelmässig füttern. An Futterstellen können Krankheiten und Parasiten übertragen werden. Meist wird auch das Falsche angeboten – etwa Milch, was sie gar nicht vertragen. Wenn gefüttert werden muss, dann nur mit Katzenfutter.   

Welches sind die grössten Gefahren für Igel im Siedlungsgebiet?
Die grösste Gefahr ist der Verlust von Lebensraum: Aufgeräumte Gärten, die weder Nahrung noch Rückzugs-möglichkeiten bieten. Störungen und Gefahren durch Laubbläser, Fadenmäher, Tellersensen, Marderabwehr, Gift, Verkehr, Obstschutznetze, Schwimmbäder und Lichtschächte kommen noch dazu. Im naturnahen Garten soll man Kompost- und Laubhaufen stets vorsichtig umsetzen und nicht blindlings mit der Mistgabel hineinstechen.

Was soll man mit einem gefundenen Igel machen?
Das kommt sehr auf die Situation und den Zustand des Tieres an. Am besten beobachten und sofort die Igelstation kontaktieren. Wir sind über unsere Notfallnummer rund um die Uhr erreichbar.

 

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Infos:

•    Bezug von Informationsbroschüren, Anlaufstelle bei Fragen oder Fund von Tieren:

•    Verein pro Igel, Russikon, Tel. Mo. bis Do., Tel. 044 767 07 90, bei Notfällen 24 h, mobil 079 652 90 42,  www.pro-igel.ch

•    Eichhörnchenstation Buttwil, Tel. 056 664 68 84, oder mobil 079 465 16 94,   www.eichhörnchenstation.ch

•    Beratung und Gestaltung, von Naturgärten, www.bioterra.ch/fachbetriebe/naturgarten

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Buchtipps:

Igel im naturnahen Garten, C. Biermann, Cadmos-Verlag, München, 2013, Fr. 18.90. Eichhörnchen ganz nah, H. Adam, R. Kauffelt, BLV-Verlag, München, 2016, Fr. 21.90.